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Im Rahmen meines Geschichtsstudiums absolviere ich zur Zeit ein 8-wöchiges Praktikum hier in den Steinhuder Museen. Mein großes Projekt ist eine umfassende Revision des vorhandenen Inventars. Hin und wieder steht aber auch die Aufnahme neuer Objekte in den Bestand auf dem Plan.

Dabei fiel mir kürzlich eher durch Zufall ein über 150 Jahre altes Quartett-Spiel in die Hände. Es war bereits von Zeit und Benutzung gezeichnet. Was mich dabei jedoch besonders überraschte war nicht das Alter oder der Zustand, sondern das Thema: Denn es behandelt bedeutende Dichter und ihre Werke, also kulturelle Errungenschaften und keine technischen, wie man es aus vielen heutigen Quartet-Spielen gewohnt ist. Ziel ist es alle aufgeführten Titel des jeweiligen Autors auf der Hand zu sammeln. Dabei wird manch einem Schriftsteller mehr Aufmerksamkeit gewidmet als anderen, beispielsweise ist Goethe mit acht Werken vertreten, Homer hingegen nur mit drei.

Die Litteraturgeschichte im Spiel

In unserer Sammlung findet sich zudem noch ein weiteres Stück mit einem vergleichbaren Hintergrund: Ein Mosaik mit dem Titel “Wann war das”. Hier müssen zentrale Ereignisse der Vergangenheit auf dem Spielbrett einem Zeitpunkt zugeordnet werden. Neben gewichtigen Vorfällen wie dem Ende des Dreißigjährigen Krieges oder großen Persönlichkeiten wie Leonardo da Vinci finden sich auch Personen, die zwar bedeutend für die Geschichte waren, jedoch den wenigsten noch ein Begriff sein dürften, wie beispielsweise Nikolaus von Kues, ein Philosoph und Theologe aus dem 15. Jahrhundert. Auch der Beginn des Kartoffelanbaus in Europa ist heutzutage nicht mehr jedem geläufig.

Diese Spiele zeigen deutlich, dass der Unterhaltungswert kein reiner Selbstzweck der damaligen Spiele war, sondern Bildung im Kinderzimmer eine mindestens ebenso große Rolle einnahm.

C. Böttcher

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