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Die letzten 4 Wochen habe ich in den Steinhuder Museen ein Praktikum gemacht. Jetzt will ich meine ursprünglichen Vorstellungen von der Arbeit hier mit der Realität vergleichen. Dabei fällt mir auf dass es doch einige Unterschiede gibt, über die ich mir als Museumsbesucher vorher noch keine Gedanken gemacht hatte.
Entgegen meiner Erwartungen spielt die normale Ausstellung, welche von den Besuchern natürlich als Hauptgegenstand des Museums angesehen wird, im Alltag eine mittelbare Rolle. Denkt man darüber genauer nach, macht das auch Sinn; die Dauerausstellung wird ja auch nur selten verändert, nämlich nur dann, wenn neue Erkenntnisse über die dargestellte Lebenswelt gewonnen wurden.

 

Auch überraschte es mich zunächst, dass man die Besucher selbst meistens gar nicht sieht. Hat man etwas in den normalen Ausstellungsräumen zu erledigen, dann geschieht das vormittags (also wenn noch keine Besucher da sind), um niemanden zu stören. Es geht dabei auch vorrangig um Recherchen oder Aufgaben des Bewahrens.

Worin besteht aber dann die tägliche Arbeit im Museum?
Da wären zum einen die Sonderausstellungen, bei denen (zu meiner anfänglichen Verwunderung) die Planung teilweise schon mal gut 2 Jahre vorher beginnt.
Hierzu zählt z. B. das Sortieren benötigter Ausstellungsgegenstände, die Gestaltung von Ankündigungsplakaten, Pressearbeit und natürlich die Organisation von alldem.

 

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Weiterhin gibt es natürlich immer wieder neue Exponate, die man auffindet bzw. die das Museum geschenkt bekommt. Diese heißt es dann zu säubern, zu inventarisieren und möglichst genau zu dokumentarisieren (viele Informationen zu sammeln). Etwa für die Recherche zu einem Erinnerungstuch aus dem 1. Weltkrieg habe ich schon einige Stunden benötigt.
Das gezeigte Tuch ist mit einer Landkarte der östlichen Kriegsschauplätze von 1914/15 bedruckt, zudem zeigt sie Gemälde der Kriegsherren Wilhelm II., Deutscher Kaiser und König von Preußen sowie Franz Joseph I., Kaiser von Österreich und König von Böhmen und Ungarn. Da das Tuch deutliche Abnutzungsspuren zeigt, darf man davon ausgehen, dass es auch verwendet wurde.
Zur Recherche gibt es dann spezielle Bestimmungsbücher, ausgewählte seriöse Internetseiten oder (etwa bei alten Schulwandkarten) Verläge, die einem helfen können. Und wenn man wollte – und die Zeit hätte – könnte man sich wohl mit fast jedem Gegenstand im Museum so lange beschäftigen.

 

Natürlich gibt es auch noch viele weitere Aufgaben (Telefonate, Sitzungen, Veranstaltungen organisieren …), die immer wieder anstehen und gemacht werden müssen.
Mir ist also bewusst geworden, wie groß der Anteil der Arbeit hinter den Kulissen ist und wie wenig man davon als Besucher mitbekommt.

(J. Schwinn)

 

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