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„Glocke und Hammer“ ist ein vergessenes Spiel, das heute vermutlich nicht mehr gespielt wird. Zuletzt erschien es 1974 bei Ravensburger.

Schimmel

Die Schimmel-Karte. Aus der Prachtausgabe 1923, Sala Verlag

„Glocke und Hammer“ kam zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf – zuerst durch Heinrich Friedrich Müller. Angeblich solle es germanische Wurzeln haben (der Hammer gehe auf Thor zurück), doch scheint im Nachhinein diese Legende eine Zutat Müllers zu sein.
Bekannt war „Glocke und Hammer“ auch unter dem Namen „Schimmelspiel“, so findet man die Regeln beispielsweise in Pierer’s Universal-Lexikon, Band 15. Altenburg 1862, auf S. 191-192.

Das Spiel hatte eine Zeit, in der es ausgesprochen beliebt war – zwischen 1850 und 1880 gab es einen wahren Boom. Es gibt keine Personenbegrenzung und basiert rein auf Glück. Etwa ab 1910 wurden von dem – bis dato – Erwachsenenspiel auch Kinderversionen produziert.

Die vorliegende Version ist eine Prachtausgabe aus den frühen 1920er Jahren. Man erkennt schnell, dass diese aufwändig gestaltete Variante im gehobeneren Bürgertum umlief und sicher weniger für Kinder gedacht war.

Glocke_HammerDennoch wurde das vorliegende Exemplar einem kleinen Mädchen geschenkt und intensiv bespielt. Die Spuren des Gebrauchs sind deutlich erkennbar: die Würfel sind abgegriffen, die Münzen an den Stellen ankorrodiert, wo vieler Finger Abdruck ihre Spuren ließen. Doch ist die Schachtel gepflegt, die Spielanleitung ohne Knick, der Auktionshammer ruht auf Seidenpapier. Und so erzählt das Spiel noch eine Menge mehr: es wurde als wertvoll erachtet – und trotzdem benutzt.  

Im Bild oben in der Schachtel liegt die Karte „Gasthof“. Das Schild zeigt einen Davidstern in dem ein Kelch prangt.
Tatsächlich ist überliefert, dass „Glocke und Hammer“ häufig abends beim Chanukka-Fest gespielt wurde.
Offensichtlich wurde bei dieser Prachtausgabe bei der Gestaltung darauf wertgelegt, auch wohlhabende, jüdische Käufer anzusprechen.

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