Nach dem Beitrag Sommerleinen wollen wir noch ein wenig mehr über sommerliche Textilmaterialien erzählen!

Chemiefasern: Pflegeleicht

Es gibt sehr viele verschiedene Arten Chemiefasern, die alle sehr unterschiedliche Trageeigenschaften haben.

Cellulosefasern:

Aus natürlich vorkommender Zellulose (beispielsweise Holz, Bambus, etc..) werden Viskose, Modal oder Cupro (und viele mehr) hergestellt. Dabei kommen Lösungsmittel zum Einsatz.
Die ersten Cellulosefasern kamen 1884 als Kunstseide auf den Markt.
Die Trageeigenschaften sind denen der Seide sehr ähnlich – die Fasern sind sehr fein und glänzen, zudem können sie Feuchtigkeit gut aufnehmen.
Cellulosefasern sind biologisch abbaubar.

Polymerfasern:

Fasern aus synthetischen Polymeren sind dagegen beispielsweise Polyester oder Polyamid. Hinter den komplizierten Namen versteckt sich letztlich Erdöl oder Erdgas als Rohstoff.
Auf dem Markt sind diese Textilfasern seit den 1940ern, davor gab es eine längere Versuchsphase. Nylon war die erste Faser – 1938 wurden Zahnbürsten daraus hergestellt – die ersten „Nylons“, Strümpfe gab es 1940. Chemiefasern nehmen kein oder sehr wenig Wasser auf, was zu Schweißflecken auf der Kleidung führen kann. Dafür sind sie ausgesprochen preisgünstig.

Die nächste Generation

Die Weiterentwicklung von Chemiefasern ist Mikrofaser, die atmungsaktiv ist und heutzutage besonders für Funktions- oder Sportkleidung verwendet wird. Mikrofaser wird aus Polyester, Nylon, Acryl oder Zellulose hergestellt. Die einzelne Faser ist noch dünner als Seide, der dünnsten, natürlich vorkommenden Faser.

Seide: Hauchdünn

Seide ist ein tierisches Produkt, gesponnen von den Raupen des Seidenspinners beim Verpuppen. Dabei produzieren die die Seide in speziellen Drüsen im Maul und legen sie in großen Schlaufen um sich herum, bis sie komplett eingepuppt sind. Der gesamte Kokon besteht aus einem einzigen Faden. Da der schlüpfende Schmetterling die Seide zerreissen würde, werden die Puppen vorher mit Heißwasser oder Wasserdampf getötet.

3 bis 8 Kokons werden zusammen abgewickelt, dabei verkleben sie sich zu einem Seidenfaden zusammen. Für 250 g Seidenfaden benötigt man 3000 Kokons (Rohgewicht: 1 kg).

Seide ist in China seit etwa 4500 Jahren bekannt, seit gut 2000 Jahren wird Seide aus China verhandelt – der Transportweg wurde Seidenstraße genannt.
Im Hannöverschen wurden im 18. Jahrhundert im großen Stil Maulbeerbäume gepflanzt, die Nahrungspflanze des Seidenspinners. Die Pflanzungen waren innerhalb wie außerhalb der Herrenhäuser Gärten. Man wollte mit der Seidengewinnung vor Ort die Wirtschaft ankurbeln – doch gab es bei Weitem nicht den erhofften Erfolg und der Versuch wurde wieder eingestellt.

Auch Seide ist ein im Sommer äußerst angenehm zu tragendes Material – mit einer Faserdicke von 12 – 25 µm ist es äußerst fein, dabei relativ elasitisch und – gemessen an seiner Feinheit – reißfest. Zudem kann Seide knapp 30% Feuchtigkeit aufnehmen.
Etwas heikel ist Seide bei der Reinigung – das Material ist Wasserempfindlich (hier entstehen schnell Flecken) und muss mit der Hand oder einem speziellen Seidenwaschgang in der Maschine gewaschen werden.

Advertisements